Inklusive Diagnostik

Mit der Einführung der inklusiven Schule wird die Frage nach einer hilfreichen Diagnostik besonders dringend!

Leider verbindet sich mit dem Begriff der Diagnostik häufig das Design standardisierter diagnostischer Verfahren (wie zum Beispiel Intelligenztests). Diese setzen die gemessenen Leistungen in Bezug zu statistischen Erwartungswerten und drücken diese durch eine Zahl aus, wobei es unterschiedliche Konventionen gibt.

So bedeutet ein IQ von 100, dass die Leistungen dem statistischen Mittelwert entsprechen. Als Prozentrang ausgedrückt kommt man auf die Zahl 50 (die Leistungen sind besser als oder gleich gut wie bei 50% der Stichprobe. Als Bezugsgröße dient dabei in der Regel die Alters- bzw. Klassennorm, also die statistische Verteilung der Leistungen bei Kindern gleichen Alters bzw. in der gleichen Klassenstufe.

Diese Art von Diagnostik ist in vielen Bereichen ausgesprochen wertvoll. Sie kann allerdings wenig beisteuern, wenn es um die Erfassung der erworbenen Kompetenzen und des Lernfortschrittes sowie um die Planung nächster Lernschritte geht. Grundlage hierfür muss ein Modell des Lernaufbaus im jeweiligen Lernbereich sein – sei es eine Landkarte oder ein Kompetenzraster. Diese Gedanken sind in der Handreichung zur individuellen Lernentwicklung näher ausgeführt und werden auch in diesem Blog oft eine Rolle spielen.

Annedore Prengel formuliert es folgendermaßen (Quelle):

Grundlage inklusiver Diagnostik bilden didaktische Stufenmodelle, die auch dem Kerncurriculum und den Lernmaterialien zugrunde liegen. Die didaktisch qualifizierten Lehrerinnen und Lehrer kennen die aufeinander aufbauenden  Kompetenzstufen in den Lernbereichen, sodass sie im schulischen Alltag problemlos erkennen, auf welcher Stufe sich jedes Kind gerade befindet, was die Zone der jeweils nächsten Entwicklung ist und welches pädagogische Angebot zu diesem Zeitpunkt individuell passend ist.

Die didaktische Diagnostik beruht auf dem Prinzip »Jedes Kind ist auf seiner Stufe kompetent«, das dazu beiträgt, dass stets die bisher erreichte individuelle Lernausgangslage sichtbar werden kann. Diese Form der Diagnostik entspricht dem international favorisierten Konzept der »formativen Assessment«, zu dem auch Selbstassessment und Peerassessment gehören. Instrumente dieser didaktischen Diagnostik sind Kompetenzraster.